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OP-Organisation Großraum-OP

Unterschiede zwischen dem Großraum-OP und dem "herkömmlichen" OP aus der
Sicht der Anästhesiepflege
Rolf Sierlinski

Bei operativen Eingriffen arbeitet das Operationsteam auf engstem Raum zusammen. Ein hohes Maß an Fachkompetenz und Disziplin aller beteiligten Mitarbeiter ist erforderlich, damit eine Operation reibungslos verläuft. Bauliche Strukturen können dabei den Arbeitsablauf positiv, aber auch negativ beeinflussen. In dem folgenden Beitrag gibt der Autor, der seit 1999 als Fachkrankenpfleger für Anästhesie- und Intensivpflege im Orthopädischen Fachkrankenhaus in Düsseldorf Ratingen tätig ist, seine Erfahrungen mit der Arbeit in einem Großraum-OP wieder.

"Herkömmlicher" OP

Charakteristisch für diese Art von OP ist die räumliche Trennung der einzelnen OP-Säle und der dazugehörigen Anästhesievorbereitungs-Räumlichkeiten durch feste Wände. Zwischen dem OP-Saal und der Anästhesievorbereitung befinden sich dann jeweils zwei manuell bedienbare Schiebetüren – eine zum Flur und eine in Richtung OP. Die Operateure waschen sich in gesonderten, abgetrennten Nebenräumen. Diese Räume sind ebenfalls mit dem OP durch Schiebetüren verbunden.

Großraum-OP

Die Anästhesievorbereitungen befinden sich hier in einem großen Raum mit je vier Vorbereitungsplätzen. Trennwände sind zum einen durch eine große, von beiden Seiten zu nutzende Schrankzeile ersetzt. Zwischen den einzelnen Vorbereitungsplätzen sowie an den beiden Eingängen sind Vorhänge zur optischen Trennung angebracht. Türen findet man nur an den drei Eingängen zum Großraum-OP selbst. Diese können per Druckkontaktleiste geöffnet werden.

Der eigentliche Großraum-OP besteht aus einem großen Saal, in dem von der Decke herab sogenannte "Gondeln" hängen. Diese bilden die Aufhängung für große Plastikwände, die verschiebbar die eigentliche OP-Kabine umschließen. Eine spezielle Art der Luftabsaugung im Rahmenteil der Gondeln sorgt für eine entsprechende sterile Arbeitsumgebung. Die Operateure waschen sich direkt im Großraum-OP, links und rechts an den jeweiligen Saalseiten.

Vor- und Nachteile beider Systeme

Vorteile "herkömmlicher" OP

Der herkömmliche OP bietet mehr Platz im OP-Saal selbst sowie in den abgetrennten Vorbereitungsräumen der Anästhesie. Die Operateure waschen sich in getrennten Räumen, was eine deutlich geringere Lärmbelastung zur Folge hat. Der zu betreuende Patient ist mit dem betreuenden Personal alleine, deshalb kann eine größere Wahrung der Intimsphäre eingehalten werden.

Durch die räumliche Trennung bekommt der Patient auch eine eventuell aufkommende Unruhe im OP nicht so unmittelbar mit.

Nachteile

Der "herkömmliche" OP fördert durch die strenge, räumliche Abtrennung nicht unbedingt den Teamgeist des Personals. Die Säle sind zudem schlechter überschaubar, was die Patientenbestellung und -verteilung erschwert. Oftmals ist kein Tageslicht (Fenster) vorhanden, womit das Personal einer zusätzlichen Belastung durch dauerndes Kunstlicht unterliegt.

Eine gegenseitige Hilfe des Personals im Krankheitsfall ist schwierig, da die Kommunikation unter OP- und Anästhesiepflegenden nur eingeschränkt möglich ist. Bei eventuell auftretenden Notfällen kann der Arzt oder das Pflegepersonal nur über Funk/Telefon oder durch Verlassen der Vorbereitungs- oder OP-Räume Hilfe holen.

Vorteile des Großraum-OP

Das Arbeiten im Großraum-OP verbessert die Kommunikation und den Teamarbeit untereinander (jeder kann jedem helfen); alle Geräte und benötigten Artikel für die zu operierenden Patienten, beispielsweise Implantate und Medikamente, befinden sich in direkter Reichweite in dem großen Saal. Die Organisation und Patientenbestellung sind wesentlich besser überschaubar.

Bei Krankheitsfällen und in der Urlaubszeit ist eine optimaler Personaleinsatz möglich. Da sich in den Eingangstüren große Glasscheiben befinden, ist auch im Flur oder in der Anästhesieeinleitung jeder Kollege durch Zuruf oder durch Winken erreichbar.

Als sehr positiv wird von allen Kollegen das Tageslicht und die freie Aussicht durch die große Fensterspezialfront empfunden! In der Anästhesieeinleitung ist durch die großzügige Aufteilung kein prämedizierter oder schon vorbereiteter Patient alleine. Es entfällt für das OP-Personal auch das zeitraubende Durchqueren von mehreren Schiebetüren, um endlich an den Arbeitsplatz zu gelangen.

Nachteile

Es ist vor allem die erhebliche Lärmbelästigung, die dem Personal und auch den Patienten im Großraum-OP zu schaffen macht. In dem OP, in dem ich tätig bin, kann es ohne Weiteres passieren, dass zwei Hüftprothesen zur gleichen Zeit implantiert werden. Durch die Arbeitsgeräusche wie Klopfen, Bohren, Sägen steigt der Lärmpegel ganz erheblich an. Hinzu kommen die Unterhaltungen der Operateure, die sich – was ebenfalls nicht leise zugeht – direkt im Großraum-OP waschen.

Auch liegt eine größere Schallausbreitung in dem großen Saal vor, was zwangsläufig mit einer stärkeren Unruhe einhergeht. Die Gänge um die Kabinen sind sehr eng gehalten, was zu Schwierigkeiten mit den Transportwagen des OP-Personals führt. Für größere Operationen sind die Kabinen im Innenraum etwas zu eng geschnitten, da kann es bei größeren Geräten (z. B. fahrbares Röntgengerät) schon mal sehr eng werden.

Auch in den Anästhesievorbereitungen herrscht unter Umständen ein hoher Geräuschpegel. Die einzelnen Einleitungsplätze sind nur mit Vorhängen voneinander abgetrennt. Und sie dienen nicht nur der Vorbereitung, sondern gleichzeitig auch der Narkoseausleitung. Es kann also durchaus passieren, dass links auf dem Einleitungsplatz 1 ein gerade neu eingetroffener Patient liegt, der nervös und ängstlich ist und daneben in der Einleitung 2 ein

Patient, der vor Schmerzen stöhnt.

Hinzu kommt, dass durch die Vorhänge zum Flur Geräusche und Stimmen aus dem OP "hereingetragen" werden. Und mittendrin bewegen sich dann noch Personal und Ärzte, die mit Vorbereitungen beschäftigt sind.

Klassik reduziert den Lärm

Die oben genannten Nachteile versuchen wir mit gutem Erfolg zu eliminieren: Gegen die doch oft sehr hohe Lärmbelästigung setzten wir CD-Player mit extrem großvolumigen Kopfhörern ein. Die Patienten können wählen zwischen einem großen Klassik-Angebot oder und einer umfangreichen Sammlung von Entspannungsmusik. Gerade jüngere Patienten können aber auch ihre eigenen CDs mitbringen. Dieses Angebot wird auch sehr rege genutzt, unter anderem auch deshalb, weil wir sehr viele Operationen in Spinalanästhesie, zusammen mit einer Sedierung, durchführen.

Fazit

Die Tätigkeit in einem Großraum-OP, ob jetzt in der Anästhesie- oder in der OP-Abteilung, verlangt von allen Beteiligen ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen und Selbstdisziplin.

Man muss dem anvertrauten Patienten von Anfang an das Gefühl geben, dass er hier in Sicherheit ist und mit seinen Problemen und Ängsten ernst genommen wird. Sehr wichtig ist auch, dem Patienten alle Vorgänge rund um die Anästhesie und Operation zu erklären, bevor man irgendwelche Manipulationen an ihm vornimmt. Dazu gehören das persönliche Vorstellen der Pflegekraft ebenso wie die – vielleicht lapidar erscheinende – Frage im Aufwachraum: Haben Sie denn gut geschlafen?

Ich persönlich versuche von Anfang an, eine Art Vertrauensverhältnis aufzubauen. Das gelingt sehr gut, indem ich den Patienten in ein scheinbar normales Gespräch einbinde und ihn damit direkt mit in den Handlungskreislauf einbeziehe. Hierdurch können viele Ängste bereits im Vorfeld abgebaut werden. Und das ist – wie man so schön sagt – schon die "halbe Miete".

Anschrift des Verfassers:

Rolf Sierlinski
Fachkrankenpfleger für Anästhesie- und Intensivpflege
Burghofstraße 58
40223 Düsseldorf

Quelle:
http://www.bibliomed.de (Die Schwester/Der Pfleger)

 

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