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Die präoperative Pflegevisite

1. Vorwort

Die Anonymität und der hohe technische Standard einer OP- und Anästhesieabteilung wirkt auf viele Patienten beängstigend. Um eine umfassende Versorgung der Patienten unter Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse des Einzelnen zu erreichen, hat sich die präoperative Pflegevisite bewährt.
Bei der Durchsicht der einschlägigen Literatur findet man erstaunlicherweise nur Angaben zur Durchführung der Pflegevisite für den stationären Bereich, und auch Nachfragen in anderen Krankenhäusern zeigen, daß sich bisher kaum jemand Gedanken darüber gemacht hat, dieses Instrument im Funktionsdienst einzusetzen.

2. Einleitung

Im Rahmen des Krankenpflegeprozesses,  ist auch das Pflegepersonal der Funktionsabteilungen gezwungen, den Umgang mit Patienten neu zu überdenken. Trotz modernster Technik, einzuhaltender Hygienevorschriften, gesetzlicher und tariflicher Vorgaben, sollte stets der Patient mit seinen Ängsten und Bedürfnissen im Vordergrund stehen.
Über seine Krankheit, die Operations- und Narkoseverfahren sowie deren Risiken, wird der Patient vom ärztlichen Dienst aufgeklärt. Es wird allerdings bisher vernachlässigt , den Patienten auch auf die speziellen Bedingungen der Operationsabteilung, des Ein- und Ausschleusens, etc. vorzubereiten.
In Krankenhäusern, in denen das OP-Personal teilweise auch in den Ambulanzen eingesetzt wird, ergibt sich schon heute teilweise die Möglichkeit, Patienten im Vorfeld kennenzulernen und dann ein präoperatives Gespräch mit ihnen zu führen. Es hat sich gezeigt, daß die meisten dieser Patienten sehr positiv darauf reagieren jemanden kennenzulernen, der sie am nächsten Morgen im OP in Empfang nimmt und ihnen im Vorfeld einige Fragen beantworten kann. In der Literatur wird beschrieben, daß der Bedarf an postoperativen Analgetika- und Narkotikagaben bei präoperativ gut informierten Patienten um fast 50 Prozent niedriger liegt als bei einer nichtinformierten Kontrollgruppe.

3. Der Krankenpflegeprozeß

Der Krankenpflegeprozeß ist die systematische Darstellung der folgerichtig geplanten und zielgerichtet durchgeführten pflegerischen Handlungen am und mit dem Patienten. Er hat zum Ziel, auf systematische Art und Weise dem Bedürfnis des Patienten nach pflegerischer Betreuung zu entsprechen, und besteht aus einer Reihe von logischen, voneinander abhängigen Überlegungs-, Entscheidungs- und Handlungsschritten, die in einem Regelkreis darstellbar sind.
 

 

1. Informationssammlu ng

 

 

 

 

 

 

6. Beurteilung der Pflegewirkung

 

     2. Erkennen von Problemen und
         Ressourcen

Krankenpflege
prozeß

 

 

5. Durchführung der Pflege

     3. Festlegen derPflegeziele

 

 

 

 

 

       4. PflegePlanung

 

 

 



Im wesentlichen geht es dabei um den Vorgang der Problemlösung und den Beziehungsablauf zwischen Pflegepersonal und Patient mit dessen Hilfe die Problemlösung verwirklicht werden soll.

4. Die Pflegevisite

Die Pflegevisite ist ein regelmäßiger Besuch bei und ein Gespräch mit dem Patienten über seinen Pflegeprozeß. Die Pflegevisite dient der gemeinsamen
- Benennung der Pflegeprobleme und Ressourcen, bzw. der Pflegediagnose
- Vereinbarung der Pflegeziele
- Vereinbarung der Pflegeinterventionen
- Überprüfung der Pflege".

Die Pflegevisite ermöglicht die Erkennung von Schwachstellen in der Strukturqualität, der Prozeßqualität und der Ergebnisqualität, und ist somit ein geeignetes Instrument zur Qualitätssicherung, zu der die Krankenhäuser verpflichtet sind. Die Strukturqualität dient der Beurteilung der Organisation, darunter versteht man die Qualifikation des Personals,  geeignete Ausstattung mit Pflegehilfsmitteln, Pflegesysteme, persönliche Fachkompetenz. Unter Prozeßqualität versteht man die Beurteilung des Pflegeverlaufs. Wurde der Pflegeprozeß realisiert, der Patient mit einbezogen, Pflegestandards umgesetzt, ist die Dokumentation lückenlos und wurde die Ganzheitlichkeit des Patienten berücksichtigt?     Die Ergebnisqualität beurteilt die ausgeführten Pflegemaßnahmen, sind die pflegerischen Ziele mit den Pflegemaßnahmen erreicht worden unter Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse des Einzelnen.

Mit der Durchführung der Pflegevisite sollen folgende Ziele erreicht werden:

- die Pflegevisite soll das Gleichgewicht der Bedürfnisse zwischen Patient und
  Mitarbeitern wahren helfen
- die Pflegevisite soll die Pflegequalität aufzeigen
- die Pflegevisite soll patientenorientierte Beratung bei Pflegeproblemen sein
- die Pflegevisite soll präoperative Ängste des Patienten abbauen
- die Pflegevisite soll dem Patienten zeigen, "was kommt am OP-Tag auf ihn zu"
- die Pflegevisite soll der besseren Kooperation zwischen Patient und Pflegekraft dienen
- die Pflegevisite soll Pflege im Anästhesiebereich transparent machen

Die Durchführung der Pflegevisite des OP-Anästhesiepflegepersonals ist identisch mit dem Ablauf des Pflegeprozesses. Die Informationssammlung bei der Pflegevisite hat den Zweck, den Patienten kennenzulernen, seine Probleme, seine Ängste aber auch seine Ressourcen können so in Erfahrung gebracht werden. Nicht nur das Pflegepersonal kann sich informieren, sondern auch der Patient erhält die Möglichkeit Fragen zu formulieren und die OP- Anästhesiepflegekraft kennenzulernen. "Die gesammelten Informationen sind die Grundlage zur Problemformulierung und zur Setzung der Pflegeziele".
Zu den wichtigen pflegerischen Informationen zählen die Personalien, das persönliche Umfeld, gemachte Erfahrungen als Patient oder Angehöriger eines Patienten.
Probleme, die für die Pflege relevant sein könnten, werden gemeinsam besprochen.
Handelt es sich bei den Patienten um Kinder oder nicht ansprechbare Patienten, können auch die Angehörigen wertvolle Informationen geben. Natürlich zählt auch die den Patienten betreuende Pflegekraft mit zu den Informanten.
Weitere wichtige Details, die bei der Pflege des Patienten im OP helfen, sind das Tragen eines Hörgerätes, einer Sehhilfe, einer Zahnprothese, bestehende Kontrakturen etc..
Ziel ist es, dem Patient einen klar strukturierten Ablauf der Vorgänge, die ihn am OP-Tag erwarten, zu vermitteln. Wann wird die Prämedikation verabreicht, für welche Zeit ist der Eingriff voraussichtlich vorgesehen. Bekleidungsvorschriften sind ebenso zu erläutern wie die Tatsache, daß das Tragen von Schmuck, Uhren, Nagellack und Zahnprothesen leider nicht erlaubt ist. Der Patient sollte außerdem darüber informiert werden, wen er im OP sehen wird. Sofern nicht die OP- Anästhesiepflegekraft die Visite durchführt, die den Patienten am nächsten Tag bei der Operation begleiten wird, ist es möglich, dem Patienten durch Fotos des Personals einen ersten Eindruck zu vermitteln. Einmal mit Mundschutz und OP-Haube und einmal ohne diese hygienisch notwendigen Utensilien. Sollte der Patient gezielte Fragen hinsichtlich der Technik äußern, kann ihm auch die apparative Ausstattung und die Bedeutung der Geräte näher erläutert werden.

Wie schon erwähnt werden durch die Informationssammlung am präoperativen Tag Probleme und Ressourcen festgelegt. Diese gilt es auszuwerten und bei Festlegung der Pflegeziele zu berücksichtigen. Ein Schwerpunkt bei der Beurteilung des Patienten liegt darin die psychische Situation des Patienten zu erkennen. Ein eher ängstlicher Patient bedarf mehr Zuwendung, noch genauerer Erklärungen und somit mehr Zeit. Ein Faktor der bei der Operationsvorbereitung berücksichtigt werden muß.

Die Zielformulierungen des Pflegeprozesses betreffen nur Nahziele. Fernziele, die den Patienten außerhalb der OP-Abteilung betreffen, sind von unserer Seite nicht mehr steuer- oder kontrollierbar. Für die meisten Patienten steht ihre eigene Sicherheit an oberster Stelle. Durch das mit ihm geführte Gespräch hat der Patient bereits erfahren, wer sich persönlich um ihn kümmern wird, und ihm in einer fremden Umgebung zur Seite steht. Gemeinsam werden z.B. Kriterien zur schonenden Lagerung festgelegt. Gerade bei Regionalanästhesien ist es für viele schwierig sich vorzustellen, ruhig auf einem harten Tisch zu liegen. Mit Hilfe von neuesten Lagerungstechniken - und mitteln, z.B. Gelkissen, ist eine größtmögliche rückenschonende und bequeme Lagerung zu erreichen.
Ziel ist es, die Lagerung des Patienten so zu gestalten, daß vor allen Dingen keine Druckstellen entstehen und so schon im OP die Grundlage für einen Dekubitus gelegt wird.
Gerade bei wachen Patienten sind der persönliche Zuspruch und Kontakt von hoher Bedeutung. Bei der Berücksichtigung der psychischen Situation des Patienten ist es mit Aufgabe des Pflegepersonals, Einfluß auf die gesamt Situation zu nehmen. Die Lautstärke der Gespräche, Wahrung der Intimsphäre des Patienten, sich Zeit zu nehmen (auch wenn die Operateure drängen!), um nochmals im Vorfeld der Operation auf Fragen einzugehen. Unangenehme Geräusche, wie das Hämmern oder Sägen, können beispielsweise durch Musik über den Walkman überspielt werden.
Da die Pflegevisite meist erst nach Beendigung der OP-Programme am späten Nachmittag durch eine OP- Anästhesiepflegekraft erfolgen kann, muß die Planung der Pflege in der Frühbesprechung weitergegeben werden. So erhält jeder Mitarbeiter die am Vortag gesammelten und dokumentierten Informationen. Dabei ist darauf zu achten, daß die Pflegemaßnahmen konkret, aber so kurz und so knapp wie möglich formuliert werden. Die Formulierungen sollten für alle an der Pflege Beteiligten verständlich sein. Auftauchende Fragen können diskutiert werden und ggf. in der Planung Berücksichtigung finden. Der eingeteilte Mitarbeiter übernimmt dann, nach Vorstellung durch die die Pflegevisite durchführende Pflegekraft, die Betreuung und Versorgung des Patienten. Aufgrund der sorgfältigen Informationssammlung ist es ihm möglich, bei der Durchführung der Pflege die individuellen Bedürfnisse des Patienten zu berücksichtigen. Auch Tätigkeiten die scheinbar in keinem direkten Zusammenhang mit dem Patienten stehen (Anwendung und Umsetzung hygienischer und aseptischer Vorschriften, Rechtsvorschriften, Planung und Organisation des Arbeitsablaufes), sind hierbei zu beachten.

Die Beurteilung der Pflegewirkung soll sich auf genaue Beobachtungen stützen und Rückmeldungen über die Wirkung der Maßnahmen geben. Haben die Maßnahmen für die Lagerung ausgereicht? Objektive Begutachtung des Patienten im Hinblick auf Haut, Augen , Reflexe, Muskeltonus, Vitalzeichen, u.s.w..
Nach einer Allgemeinanästhesie steht man vor dem Problem, daß die Patienten unter Umständen nur schwer auf Fragen reagieren. Daher sollte am Abend oder am nächsten Tag eine postoperative Pflegevisite stattfinden. Sie kann dem Pflegepersonal Erkenntnisse geben, die zu Verbesserungen führen. Wichtig sind hierbei die subjektiven Mitteilungen des Patienten, wie er sich gefühlt hat und sich jetzt fühlt. Wie war die Narkose, war die Lagerung bequem, sind jetzt Probleme durch die Lagerung oder andere pflegerische Maßnahmen aufgetreten? War die Betreuung so wie der Patient es sich vorgestellt hat? Dies alles gilt es in einem Gespräch zu klären.

Durch dieses Feedbacksystem schließt sich der Regelkreis des Pflegeprozesses.

Feedbacksystem:

Informations sammlung

ð

Probleme und Ressourcen

ð

Pflege- ziele

ð

Pflege- planung

ð

Durch- führung der Pflege

ð

Beurteilung der Pflege

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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